Der erfolgreichste Derby-Trainer: George Arnull

Horn (fcm) - Es ist kein Zufall, daß aus dem erfolgreichsten Derby-Stall, dem Gestüt Schlenderhan, auch der erfolgreichste Trainer in der Geschichte des "Blauen Bandes" kommt: Der aus der englischen Vollblut-Metropole Newmarket stammende George Arnull (1880 bis 1960). Sein Vater war dort Trainer, und einer seiner Vorfahren war der Siegreiter im ersten englischen Derby (1780) mit Diomed.

Auch George Arnull begann mit 44 Kilo seine Laufbahn im Rennsattel, doch bald bekam er Gewichtsschwierigkeiten, und 1894 kam er nach Deutschland, wo er unter anderem als Futtermeister im Rennstall von Graditz und Waldfried tätig war.

Als öffentlicher Trainer ließ er sich 1916 in Hoppegarten nieder und feierte am 7. Mai 1916 in einem Verkaufsrennen - zu reiten von Lehrlingen - mit E. von Benningsens Fuchsstute "Einbuße" seinen ersten Sieger. Im Sattel: Der Stift Otto Schmidt, der im selben Jahr mit Waldfrieds Amorino seinen ersten Derbysieger ritt und später zu einem der erfolgreichsten und populärsten deutschen Jockey wurde.

Mit neun Derbysiegern ist George Arnull der erfolgreichste Trainer im Derby. Auf Mah Jong, der 1927 das "Sumpf-Derby" gewann, folgten Alba (1930), Sturmvogel (1935), dann die bislang unerreichte Viererserie mit Orgelton (1938), Wehr Dich (1939), Schwarzgold (1940) und Magnat (1941), Allgäu (1943) und Asterblüte (1949), die mit der zweitplacierten Aubergine (wie alle genannten Sieger eine Schlenderhanerin) für den sensationellen Stuten-Doppelsieg im Derby sorgte. 41 Erfolge in klassischen Prüfungen gewann George Arnull, dessen gütiges Wesen, seine Lauterkeit, seine Sachkenntnis und seine Leistungen die Grundlage für seine erfolgreiche Arbeit waren, für das Gestüt Schlenderhan (7.638.738 Mark).

Eines der erfolgreichsten Pferde in seiner Obhut war Oleander, zwar kein Derbysieger, aber in seiner Rennlaufbahn und später in der Zucht wohl eines der bedeutendsten Pferde in der deutschen Vollblutgeschichte. Dieser Sohn von Prunus war ihm aus einem besonderen Grund ans Herz gewachsen. Als Zweijähriger war Oleander schwer niedergebrochen (Beckenverletzung) und keiner gab für eine erfolgreiche Genesung und damit für eine spätere Verwendung auf der Rennbahn einen Heller. Doch allein der aufopfernden Fürsorge und Betreuung sowie dem unerschütterlichen Glauben an die Genesung des Hengstes durch George Arnull war es letztlich zu danken, daß das Leben dieses Hengstes nicht vorzeitig ein Ende nahm. Ja, daß er später zum Heros der deutschen Vollblüter wurde.

Vier Jahre später mußte Arnull dennoch einen Schicksalsschlag hinnehmen, der ihm mit Oleander erspart geblieben war. Der als Dreijähriger in acht Rennen ungeschlagene Wallenstein-Sohn Alba verunglückte bei der letzten Morgenarbeit vor dem Deutschen St. Leger auf der Neuenhagener Trainer-Bahn so schwer, daß für ihn nur die Gnadenkugel blieb.

Es wird sicher noch einige Hamburger geben, die den großen Triumph des Schlenderhaners Alba auf dem Horner Moor miterlebt haben, und sie werden sich dabei an einen Mann erinnern, der in den letzten Minuten seiner 1.261 Trainer-Erfolge (974 für Schlenderhan) die Genugtuung und die Freude mehr innen als nach außen trug. Dabei stets sein Markenzeichen - der "Homburger". Das war George Arnull, der 1952 mit Jonkheer bei dessen zweiten Sieg im Silbernen Band der Ruhr in Mülheim/Ruhr seinen letzten Sieger von der Bahn begleitete.

(31.05.2001)


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